Kinder und Hunde – gefährliche Liebschaften

Kinder lieben Hunde, zumindest wenn sie nicht schon negative Erfahrungen gemacht haben, und die sind gar nicht so selten. Etwa 20% aller Verletzungen durch Hunde betreffen Kinder und die Folgen sind besonders gravierend. Die Hälfte der Bisse bei Kindern unter 10 Jahren betreffen Hals oder Kopf und sind oft mit Spätfolgen wie Entstellungen, Narbenbildungen oder psychischen Problemen verbunden.

Als Hundehalter muss man sich dieser besonderen Verantwortung bewusst sein, natürlich im Interesse der Kinder aber auch im Interesse aller Hundehalter, denn jeder Biss ist einer zu viel und zieht fast unweigerlich Diskussionen über noch strengere Bestimmungen zur Hundehaltung (Erweiterung der Leinen- und Maulkorbpflicht) nach sich.

Dabei muss man sich vor allem vom Klischee verabschieden, dass die meisten Unfälle durch frei herumlaufende „Kampfhunde“ passieren, ganz im Gegenteil! Mehr als drei Viertel aller Bisse erfolgen im familiären Umfeld, beim Spielen, Kuscheln, Füttern, am Schwanz ziehen etc. und jeder 4. Biss wird von kleinen Hunden verursacht. Dabei könnten die meisten dieser tragischen Unfälle verhindert werden, wenn sich die Halter an ein paar einfache Regeln halten, egal ob es um das eigenen oder ein fremdes Kind geht:

  • Kleinkinder und Hunde niemals unbeaufsichtigt lassen. Kleinkinder kennen einfach nicht den Unterschied zwischen einer Puppe/Teddybären und einem Hund.
  • Ältere Kinder nur dann mit Hunden allein lassen, wenn man sich vergewissert hat, dass diese die wichtigsten Regeln im Umgang mit Hunden kennen (bei Knurren sofort mit dem Spiel aufhören, das Futter in Ruhe lassen, nicht erschrecken, nicht am Schwanz ziehen u.s.w.)
  • Niemals Futter oder Hundespielzeug herumstehen lassen, wenn Kinder in der Nähe sind.
  • Bei Drohverhalten Kind und Hund sofort, sanft aber bestimmt trennen.
  • Einen Ruheplatz für den Hund einrichten, an den er sich zurückziehen kann und der für Kinder (und auch Erwachsene) tabu ist.
  • Beim Gassigehen dem Hund sofort an die Leine nehmen, wenn Kinder in der Nähe sind und den Hund außen am Kind vorbeiführen.
  • Selbstverständlich haben Hunde am Kinderspielplatz nichts verloren.

Darüber hinaus geht alles viel einfacher, wenn der Hund die Grundkommandos sicher beherrscht, er zum Beispiel locker an der Leine an Kindern, Radfahrern oder Joggern vorbeigeht, beim Spielen im Garten auf Rückruf sofort angerannt kommt oder auf Kommando jede Tätigkeit abbricht, noch bevor es gefährlich wird. Wenn Sie sich da nicht sicher sind, sollten Sie unbedingt eine Frau oder einen Mann vom Fach fragen, damit Kinder und Hunde viele schöne Stunden miteinander verbringen und voneinander profitieren können.

(Quelle: Freizeitunfallstatistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, Kinderunfall-Forschungszentrum Graz).
2018-12-09T22:10:21+00:00