Einer der häufigsten Gründe, warum sich HundebesitzerInnen an uns wenden, ist mangelnde Leinenführigkeit, worunter permanentes Ziehen an der Leine und das Anbellen oder gar Bedrohen von vorbeikommenden Hunden und Menschen verstanden wird.

Die Gründe dafür sind vielvältig und reichen von völliger Ahnungslosigkeit der BesitzerInnen über Hundeverhalten, was zu leicht vermeidbaren Konflikten führt, über ungestümes Spielverhalten, zu zwanghaftem Schutz- und Kontrollverhalten, bis hin zu einer originellen Art des Futterbettelns nach dem Motto: „zuerst belle ich alles an und werde dann belohnt, wenn ich wieder brav bin“.

Meistens liegt aber die Ursache darin, das die Hunde nicht wirklich geführt werden, sondern nur mit der Leine durch die Gegend geschleppt, ständiges Gezerre eingeschossen. Dadurch wird das Grundbedürfniss unserer Fellnasen nach Führung völlig missachtet. Dazu die Do­yenne der Hundeforschung Dorit Feddersen-Petersen: „Hunde wollen nicht nur geführt werden, sie haben sogar ein Anrecht darauf“. Mangelnde Führung durch seinen Menschen verunsichert den Hund zutiefst. Da er glaubt, sein Mensch sei nicht in der Lage, die vor ihm liegenen „Gefahren“ zu bewältigen, müsse er eben diese Aufgabe übernehmen, was mit großem Stress verbunden ist. Er übernimmt die Führung, scannt permanent die Straße nach Gefahren und versucht diese zu vertreiben. In diesem Fall geht es einfach darum den Hund zu überzeugen, dass man/frau willens und in der Lage ist, ordentlich zu führen und der gewünschte Erfolg stellt sich rasch ein. Denn ordentliche Führung bedeutet keine Einschränkung sondern vielmehr Freiheit für den Hund.

Was immer auch die Ursache ist, die Lösung ist fast immer die Gleiche. Zunächst muss man verstehen, dass ein entspannter Spaziergang mit dem Hund bestimmten Regeln folgt, die es zu beachten gilt. Die wichtigsten davon sind:

  1. Setting: Eine Flexileine ist ein absolutes No-go, da man einen Hund damit nicht führen kann. Das einzige was der Hund lernt ist, dass er ständig gegen der Widerstand der Leine ziehen muss, um voranzukommen. Ein Halsband anstelle eines Brustgeschirrs erleichtert die Führung, da man damit dem Hund zeigen kann, wohin er gehen soll und nicht nur, wie bei einem Brustgeschirr, wohin nicht.
  2. Der Spaziergang beginnt mit dem ersten Schritt, also an der Haus- oder Wohnungstür. Ist der Hund bereits hier aufgeregt und außer Kontrolle, wird sich das später nur schwer legen.
  3. Einfach losmarschieren und ins Handy schauen geht gar nicht! Während des Spaziergangs benötigt die Fellnase unsere volle Aufmerksamkeit, was vor allem das Erkennen und Vermeiden „brenzliger“ Situationen angeht. Dazu sind aber gewisse Grundkenntnisse über das Hundeverhalten notwendig. Infos dazu gibt es in unserem Seminar Hundeerziehung leicht gemacht.
  4. Hunde wollen geführt werden und nicht selbst führen – und wer vorne ist, führt! Das bedeutet nicht, dass der Hund permanent hinten sein muss aber sehr wohl, dass man seinen Hund davon überzeugt, dass man jederzeit willens und in der Lage ist, die Richtung vorzugeben und mit „Gefahren“ (Kinder, Radfahrer, fremde Hunde etc.) umgehen kann.
  5. Hunde sind Pragmatiker, was sie ans Ziel bringt behalten sie bei, was sie nicht ans Ziel bringt, lassen sie bleiben – das gilt auch für das Ziehen an der Leine.
  6. Last but not least; damit sich eine Leine spannt braucht es immer zwei. Wildes Ziehen an der Leine und aufgeregtes Gehabe sind eher kontraproduktiv. Wie Sie für eine entspannte Leine sorgen, können Sie bei unseren Kursen Leinenführigkeit oder Social Training erfahren und üben.

Zuletzt unser Buchtipp zum Thema: Ralf Lindner: Bertie der Terrier „Meiner zieht immer!

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