Führen statt Dominieren

Das Thema Dominanz und Unterwerfung (Submission, Unterwürfigkeit) ist wohl jenes, das am emotionalsten diskutiert wird und bei welches es die meisten Missverständnisse gibt. Die Meinungen reichen dabei von „Der Mensch muss der Alpha-Wolf sein und den Hund dominieren“ bis „Ich möchte einen selbstbewussten Hund und werde ihm daher keinesfalls meinen Willen aufzwingen“. Beides zeugt von einem grundlegenden Unverständnis über die Bedürfnisse und das Verhalten von Hunden. Vielleicht liegt es auch an der Sprache. Die Verhaltensforschung spricht von dominanten Tieren, denen sich im Rang niedere Tiere unterwerfen. Unterschieden werden „Aktive und Passive Unterwerfung“.

Höfliche Annäherung durch „Aktive Unterwerfung“

„Aktive Unterwerfung“

Geschieht immer freiwillig, ist eine höfliche Geste und wird meist bei der gegenseitigen Begrüßung einander freundlich gesinnter Hunde oder bei der Begrüßung eines vertrauten Menschen gezeigt. Die Hunde zeigen bei der Annäherung ein freundliches, entspanntes Gesicht, wedeln mit dem Schwanz und senken leicht den Kopf. Reagiert der Partner ebenso freundlich, folgt zumeist eine Berührung mit der Schnauze und/oder ein kurzes Lecken. Dieses Verhalten wird sowohl vom „ranghöheren“ als auch „rangniederen“ Tieren gezeigt und entspricht wohl der menschlichen Höflichkeit. Wie bei den Menschen, gibt es auch bei Hunden ausgesprochen höfliche Tiere und ungebildete Rüpel.

„Passive Unterwerfung“

Ist immer ein von einem dominanten Tier oder auch vom Menschen erzwungenes Verhalten. Sie dient bei Hund und Wolf zur Vermeidung von Kämpfen, die von Verletzungen bis zum Tod eines Tieres führen können und in jedem Fall die Harmonie im Rudel massiv stören. Dabei macht sich das dominante Tier so groß wie möglich (erhobener Kopf und aufgerichtete Rute) und beansprucht den umgebenden Raum, das Futter oder auch den Geschlechtspartner für sich. Das rangniedere Tier versucht das dominante zu beschwichtigen, indem es sich so klein wie möglich macht (gesenkter Kopf und eingezogene Rute). Natürlich kann es auch fliehen (Vermeidung) oder sich der Herausforderung stellen.

In einem harmonischen Rudel wird die Rangordnung im Welpenalter festgelegt und die Individuen, einschließlich der Leittiere, pflegen zumeist einen freundlich, entspannten Umgang miteinander. Die Leittiere führen das Rudel, etwa indem sie den Aufbruch zur Jagd signalisieren, bei der dann jedes Mitglied seine Aufgabe kennt. Ständige, gewaltsame Rangordnungskämpfe würden nur sinnlos Energie vergeuden und damit das Überleben des Rudels gefährden.

Führen statt dominieren

Ersetzten Sie alles, was Sie bisher über „Dominieren“ gehört haben durch das Wort „Führen“ und Sie sind auf dem richtigen Weg, denn was Hunde für ihr Wohlbefinden wirklich brauchen ist ein sicheres und berechenbares Umfeld und dazu gehört eine klare Führung. Nach 40.000 Jahren Domestikation wünschen sich Hunde nichts mehr als einen Menschen, der sie ruhig und sicher durch das Leben führen kann. Wenn Sie ihren Hund davon überzeugen können, dass Sie dieser Mensch sind, wird er Sie Ihnen buchstäblich durch dick und dünn folgen, denn er verläßt sich darauf, dass Sie schon das Richtige tun. Wie Sie das machen können, erfahren Sie bei unserem Basisseminar und in unseren Kursen.

„Hunde wollen nicht nur von uns geführt werden, sie haben sogar ein Anrecht darauf“
Dorit Urd Feddersen-Petersen, Fachtierärztin und Verhaltensforscherin

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