Grundsätzliches zum Verhalten2018-01-21T15:02:51+00:00

Grundsätzliches zum Verhalten

Die Erforschung des Hundeverhaltens ist erst in den letzten 50 Jahren so richtig in Schwung gekommen, Vorreiter davon waren Pioniere wie der österreichische Nobelpreisträger Konrad Lorenz (So kam der Mensch auf den Hund) oder der Brite Desmond Morris (Dog watching).

Obwohl sich einige der Ansichten dieser Pioniere inzwischen als falsch erwiesen haben, muss man ihnen doch hoch anrechnen, dass sie die Interpretation des Hundeverhalten aus dem Bereich der Mythen und Vorurteile herausgeholt und auf eine wissenschaftliche Basis gestellt haben. Damit haben sie nicht nur die Hunde vom teilweise qualvollem „Abrichten“ erlöst, sondern auch vielen Menschen die Gewissensbisse erspart, die mit einer „strengen Hundehaltung“ einhergehen.

Obwohl man Hunde mit Wölfen kreuzen kann, werden Hunde heute als eigene Art (Canis familiaris) gesehen, da sie sich im Verhalten in einigen wesentlichen Punkten vom Wolf (Canis lupo) unterscheiden. Am wichtigsten ist es zu wissen, dass Hunde im Laufe ihrer Evolution gelernt haben, mit den Menschen über ihre Körpersprache und spezielle Lautäußerungen (Bellen) zu kommunizieren. Dabei läuft die Kommunikation immer in beide Richtungen, ob wir nun wollen oder nicht, denn Hunde lesen permanent unsere Körpersprache – die einzige Sprache in der wir nicht lügen können.

Die moderne Kynologie (Hundekunde) unterscheidet drei grundsätzliche Verhaltensmuster:

  • Sozialverhalten
  • Jagdverhalten
  • Spielverhalten

Sozialverhalten heißt kommunizieren, wobei die Kommunikation mit Menschen, Hunden und anderen Tieren erfolgen kann. Die Kommunikation erfolgt ganzheitlich, über Berührung, Körperhaltung, Gestik, Mimik, Lautäußerungen und Gerüche. Während uns die Welt der Geruchskommunikation wohl für immer verschlossen bleiben wird, sind wir Menschen sehr wohl in der Lage, den Großteil dessen, was uns Hunde mitteilen wollen intuitiv, das heißt ohne Nachzudenken, zu verstehen. Wenn wir nicht ganz blind oder verbildet sind, erkennen wir problemlos, ob uns ein Hund freundlich gesinnt ist oder uns droht, ob er Lust hat zu spielen oder einfach seine Ruhe haben will u.s.w. Wenn wir unsererseits mit Hunden kommunizieren, und das tun wir immer, wenn wir einem Hund begegnen, sollten wir uns ebenfalls bewusst dieser ganzheitlichen Kommunikation bedienen. Hierbei sind Körperhaltung, Mimik, Gestik und Berührung die stärksten und für den Hund am leichtesten verständlichen Signale, während sich Hunde mit der von uns bevorzugten verbalen Kommunikation am schwersten tun. Leiden Hunde unter sozialer Verwahrlosung, das heißt an der Missachtung ihres Bedürfnisses zu kommunizieren, können ernste Verhaltensprobleme daraus entstehen, die bis zu gefährlichen Psychopathien reichen.

„the eye“ Fixieren der Beute (=Ball) beim Boder Collie

Jagdverhalten diente ursprünglich nur einem Zweck, dem Beutefang. Mit der Beute wird nicht kommuniziert, die Jagd geht daher lautlos vor sich, denn eine Beute anzubellen oder anzuknurren wäre bei der Jagd auch ausgesprochen kontraproduktiv. Da das Jagen das grundlegende Bedürfnis nach Nahrungserwerb erfüllt, ist es auch ausgesprochen lustbetont und selbst belohnend. Bei den hundeartigen Raubtieren läuft das Jagdverhalten in einer typische Sequenz ab:

Suchen/Stöbern -> Fixieren -> Hetzen -> Fassen/Töten -> Zerreißen -> Fressen

Menschen haben sich vor allem die ersten drei dieser Verhaltenssequenzen vielfach zunutze gemacht und bei der Rassezucht gefördert, z.B.: Das Suchen beim Bluthund, das Fixieren beim Border Collie und beim Pointer, das Hetzen bei den Hüte- und Schlittenhunden. Das wunderbare daran ist, dass Hunde diese selbst belohnenden Handlungen einfache gerne machen, so macht es einem Schlittenhund einfach Spaß zu laufen und er ist unglücklich, wenn er es nicht kann. Speziell beim Umgang mit Rassehunden sollte man daher darauf achten, dass der Hund seine bevorzugten Verhaltenssequenzen ausleben kann, und wenn es nur die Jagd nach einem Ball oder das Suchen von verstecktem Futter ist. Kann ein Hund seine Jagdsequenzen nicht ausleben, sucht er sich eben welche Ersatzhandlungen, die dann ausgesprochen unangenehm für seinen Halter oder die Umgebung sein können.

Spielverhalten dient dem Einüben von Sozial- und Jagdverhalten und ist, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, ebenfalls lustbetont und selbst belohnend. Hunde können zwar auch alleine spielen, bevorzugen aber eindeutig das Spiel mit einem oder mehreren Partnern, Hunden oder Menschen. Der biologische Zweck des Spielens ist wohl das Lernen und Hunde lernen auch am besten spielerisch, was man sich bei der Hundeerziehung zu Nutze machen sollte.

Spielgesicht beim Border Collie

Das Spielgesicht ist ein Ausdrucksverhalten, das wir als Menschen nicht intuitiv erkennen, da wir nichts Vergleichbares haben. Beim Spiel mit Mensch und Hund geht es ja manchmal recht rau bis beängstigend zu, es wird geknurrt, Zähne gefletscht, der Partner verfolgt und nach ihm geschnappt. Um zu zeigen, dass das alles nur ein Spiel und nicht ernst gemeint ist, zeigen Hunde dabei ihr Spielgesicht. Am offensichtlichsten sind dabei die weit aufgerissenen Augen, bei der die weiße Augenhaut (Sclera) gut sichtbar wird. Wenn ihr Hund ihnen droht, lohnt sich in jedem Fall ein Blick in die Augen.

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