Unsere Hunde und wir 2017-12-30T15:31:46+00:00

Unsere Hunde und wir

Hunde begleiten den Menschen seit ca. 40.000 Jahren und vor etwa 2.400 Jahren hat der Grieche Xenophon mit seiner Kynegeticos das erste Buch geschrieben, das sich mit diesem Thema befasst. Die „Kynologie“, die Lehre von den Rassen, Zucht, Pflege, Verhalten, Erziehung und Krankheiten der Hunde geht auf dieses Buch zurück. Seither sind unzählige Bücher, Artikel, Bloggs etc. veröffentlicht worden, die sich mehr oder minder fundiert mit diesem Thema befassen. Dabei tendieren wir Menschen entweder dazu, unsere Hunde zu vermenschlichen, was unsere treuen Gefährten zu lächerlichen und wie ich behaupte unglücklichen Karikaturen ihrer selbst macht oder wir sehen in ihnen eine Art Bioroboter, bei denen es gilt, mit geeigneten Maßnahmen das von uns gewünschte Verhalten abzurufen. Gerne übersehen wird dabei, dass Tiere im Allgemeinen und Hunde im Speziellen, eine angeborene Würde besitzen, die es zu respektieren gilt, wenn wir als wahrhaft humane Wesen gelten wollen. Für jeden, der mit Empathie ausgestattet ist, ist für diese Erkenntnis eigentlich nur ein Wechsel der Perspektive notwendig, und zwar im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn.

Normalerweise betrachten wir unsere Hunde von oben herab. Selbst die großen Hunde wirken dann klein und so der Betrachter keine Hundephobie und der Betrachtete keine Verhaltensstörung hat, irgendwie hilflos und beschützenswert. Wir betrachten uns als überlegene Spezies, die dem netten aber dummen Tier alles Nötige beibringen muss, um sich in unser soziales Umfeld einpassen und so in unserer Welt überleben zu können. Eine Art behavoristische Weltsicht, die auch in der Kindererziehung nicht unüblich war und je nach Weltsicht eine „schwarze“ oder eine liebevoll, freundliche Pädagogik zur Folge hatte.

Wenn wir uns aber auf die Sichtebene unserer Hunde begeben, erkennen wir intuitiv, dass diese Weltsicht doch etwas überheblich ist. Aus dem putzigen Begleiter wird auf einmal ein würdevolles Mitgeschöpf, das sich aus freiem Willen uns Menschen angeschlossen hat und von uns Respekt, Schutz, eine liebevolle Führung und ab und zu ein Leckerli erwartet.

Dass die meisten von uns das intuitiv, also ohne bewusstes nachdenken, erkennen hat natürlich einen biologisch, evolutionären Hintergrund, nämlich tausende Jahre gemeinsame Geschichte, manche Autoren sprechen gar von Ko-Evolution. Als vor etwa 40.000 Jahren der moderne Mensch (Homo sapiens sapiens) endgültig Europa besiedelte, scheint sich auch die dort lebende Wolfspopulation in zwei Gruppen gespalten zu haben. Eine Gruppe meidete den Menschen, zog sich in die Wälder zurück, lebte in engen Familienverbänden und spezialisierte sich auf die Großwildjagd.

Die zweite Gruppe, die Vorfahren unserer Hunde, entdeckten die herumziehenden Homo sapiens als neue ökologische Nische. Welchen Vorteil diese Hunde-Wölfe hatten, kann heute nur vermutet werden. Wahrscheinlich waren es die Reste, die von der Jagd und Nahrungszubereitung übrig geblieben sind, wie Knochen und andere Reste von Tieren, die nicht verwertet wurden oder auch Kleingetier, wie Ratten und Mäuse, die möglicherweise schon damals die Nähe des Menschen suchten. Vielleicht haben schon damals einige Menschen diese scheuen Tiere gefüttert, wenn Nahrung im Überfluss vorhanden war.

Jedenfalls haben sich die Hunde-Wölfe immer mehr der neuen ökologischen Nische angepasst und die Fluchtdistanz zu den Menschen verringerte sich immer mehr, was Vor- und Nachteile mit sich brachte: Einerseits vergrößerte die verringerte Fluchtdistanz die Chancen an Nahrung zu gelangen, andererseits vergrößerte sich dadurch auch die Möglichkeit, selbst zur Nahrung zu werden. Daher war es für die Hunde-Wölfe überlebenswichtig jene Fähigkeit zu entwickeln, für die wir sie heute so schätzen – mit uns Menschen zu kommunizieren.

Die Hunde-Wölfe haben gelernt, den Gemütszustand eines Menschen zu beurteilen, ist er freundlich oder feindlich gesinnt, geht von ihm Gefahr aus oder kann man Nahrung erwarten. Auch heute noch schauen Hunden den Menschen zuerst in die Augen und können bestens beurteilen, in welcher Stimmung sich der Mensch befindet. Aber sie haben auch gelernt, aktiv mit den Menschen zu kommunizieren. Mimik und Gestik wurden einfacher und plastischer und sie haben vor allem zu Bellen begonnen, um auf sich aufmerksam zu machen.

Dieses Bellen war vermutlich auch für die Menschen von Vorteil. Wie es heutige Hunde auch tun, wird alles verbellt, was sich in der Nähe befindet und unbekannt ist oder zumindest nicht zur Meute gehört. Der Wachhund war geboren. Mit einem oder mehreren Hunden in der Nähe konnten sich die Menschen beruhigt schlafen legen, das Bellen der Hunde warnte die Menschen vor Gefahr und vertrieb auch viel potentielle Raubtiere, die es gar nicht mögen, beim Beutezug entdeckt und gestört zu werden. Dasselbe Verhalten fürchten noch heute die meisten Einbrecher und nervt unsere Briefträger.

Mit der Sesshaftwerdung des Menschen im Neolithikum vor etwa 12.000 Jahren vollzog sich die endgültige Wandlung des Wolfes zum Hund. Aus den Hundewölfen wurden Dorfhunde, die teilweise in den Familienverband aufgenommen wurden und die auch Aufgaben zugewiesen bekamen. Genetische Untersuchungen zeigten auf, dass sich unsere heutigen Rassen auf 4 Gruppen zusammenfassen lassen, die Aufgaben wiederspiegeln, die wir unseren Kumpanen in Laufe der Zeit zugewiesen haben:

  1. Wolfsähnliche Hunde, das sind vor allem Laufhunde, zu denen so unterschiedliche Rassen wir Husky, Mamaluts, Spitz und Afghanen zählen,
  2. Hüte- und Herdenschutzhunde wie Shelties und Collies,
  3. Molosser, kräftige Kampf- oder Kriegshunde mit eher kurzer Schnauze wie Mastiff, Bulldogge, Doggen und auch der Deutscher Schäferhund,
  4. sowie die Dorfhunde, aus denen erst in der Neuzeit viele unterschiedliche Rassen gezüchtet wurden, wie Bracken, Terrier, Bassets und alle möglichen Jagdhunde.

Nicht der Mensch hat also den Hund aus dem Wolf gezüchtet, sondern die Hunde haben sich dem Menschen angeschlossen und mit uns kommunizieren gelernt. Und das tolle daran ist, wenn wir unsere Borniertheit und Überheblichkeit ablegen, verstehen wir zumeist intuitiv, aus dem Bauch heraus, was sie uns mitteilen wollen.

Unsere Hunde sind unsere ältesten und treuesten Gefährten. Sie haben unsere Sprache gelernt und uns unter anderem als Wach-, Schlitten-, Hüte-, Kriegs- und Jagdhunde und manchmal auch als Nahrung gedient, immer in unverbrüchlicher Treue und Liebe zu Ihren Besitzern. Sie haben sich Respekt verdient und belohnen Respekt mit bedingungsloser Zuneigung. Geben wir ihnen was sie verdienen!

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